IDX4rail - Harmonisierung der Schnittstellenlandschaft für Infrastrukturdaten
IDX4rail im Überblick
Seitenverzeichnis
Projektvorstellung
Schnittstellenlandschaft für Bahn-Infrastrukturdaten
IDX4rail wird ein Meilenstein in der digitalen Technologie für das Infrastrukturdatenmanagement im Eisenbahnsektor sein. IDX4rail wird die Schnittstellenlandschaft insbesondere für Stadt- und Straßenbahnen sowie Eisenbahnen harmonisieren, um einen zuverlässigen und effizienten Datenaustausch über verschiedene eingesetzte Systeme und Fachanwendungen hinweg zu ermöglichen und die Einhaltung internationaler Standards zu unterstützen.
Das Herzstück des innovativen Projekts bildet die Harmonisierung der beiden die Railway Markup Language (railML®) und das Infrastruktur-Daten-Management für Verkehrsunternehmen (IDMVU), das als VDV-Schrift 456 veröffentlicht wurde. Damit wird die Herausforderung der Datenintegration durch ein vereinheitlichtes Datenmodels angegangen, die Effizienz verbessert, Datensilos abgebaut und Fehlerpotentiale eliminiert. Verkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreibern wird dadurch eine verbesserte Entscheidungsfindung und Maßnahmenplanung für die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur ermöglicht.
Das IDX4rail-Projekt wird durch die Innovationsinitiative mFUND des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) mit 1,549 Mio. Euro gefördert. Weitere Informationen zur Förderung gibt es auf der Seite des Bundesministeriums.
Geltungsbereich
IDX4rail ist an alle Verkehrsunternehmen, Eisenbahnunternehmen und Infrastrukturbetreiber gerichtet, die den Bestimmungen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) und Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BOStrab) in Deutschland sowie des Eisenbahngesetz 1957 (EisbG) in Österreich unterstehen.
Für Anwender von IDMVU bzw. der VDV-Schrift 456 und des international verbreiteten railML® bedeutet das, dass einerseits relevante Anwendungsfälle des Themenbereichs Infrastruktur in IDX4rail fortgeschrieben werden, andererseits alle weiteren Anwendungsfälle der beiden Standards davon unberührt bleiben. Dazu werden die beiden bestehenden Datenmodelle mittels ontologischen Mappings - dabei werden Beziehungen zwischen korrespondierenden Elementen formuliert - zusammengeführt, um die Hürden für die Implementierung von IDX4rail möglichst niedrig zu halten. Langfristig wird unter anderem auch die Vernetzung mit Anwendungsfällen mit Infrastrukturbezug wie beispielsweise Fahrplandaten, anderen verwandten VDV-Schriften und IFC BIM angestrebt.
Problemstellung
Heterogene Datenlandschaften im Bahnsektor
Der digitale Austausch von Infrastrukturdaten im Bahn- und Straßenbahnsektor ist seit Jahrzehnten ein wiederkehrendes Thema. Bereits in den 1990er-Jahren entstanden erste Schnittstellenstandards, um Informationen zuverlässig zwischen unterschiedlichen Systemen übertragen zu können – als technische „gemeinsame Sprache“, wie sie heute in vielen Branchen selbstverständlich ist.
Trotz dieser Entwicklungen hat sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl unterschiedlicher Standards und proprietärer Lösungen etabliert, darunter railML®, die VDV-Schrift 456 und zahlreiche unternehmensspezifische Formate. Viele Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), Infrastrukturbetreiber und Verkehrsunternehmen verfügen über gewachsene IT-Landschaften mit spezialisierten Fachsystemen, älteren Anwendungen und Insellösungen, die für spezifische Anforderungen entwickelt wurden.
Diese Vielfalt führt dazu, dass Datenmodelle, Schnittstellen und Austauschmechanismen von Unternehmen zu Unternehmen stark variieren. Neue Systeme benötigen oft zusätzliche individuelle Schnittstellen, Daten müssen mehrfach aufbereitet oder manuell synchronisiert werden, und der Aufwand für Integrationen steigt kontinuierlich. Das erschwert nicht nur den durchgängigen Datenfluss, sondern bremst auch die Digitalisierung und die Zusammenarbeit in Projekten, die auf konsistente Daten aus unterschiedlichen Quellen angewiesen sind - zum Beispiel in BIM-Projekten.
Eine moderne, vernetzte Bahnbranche braucht daher ein gemeinsames Fundament für Infrastrukturdaten – technisch präzise, interoperabel und anschlussfähig an bestehende Lösungen.
Zielsetzung von IDX4rail
Die beschriebenen Herausforderungen machen deutlich, dass der Sektor einen harmonisierten und herstellerneutralen Standard benötigt, der den Austausch von Infrastrukturdaten nachhaltig vereinfacht und einheitlich gestaltet. Genau hier setzt IDX4rail an.
IDX4rail verfolgt das Ziel, einen zukunftsfähigen, interoperablen Standard für das Infrastrukturdatenmanagement (IDM) im Bahnbereich zu schaffen.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer offenen und nachhaltigen Schnittstellenlösung, die sowohl technischen Anforderungen als auch den praktischen Bedürfnissen der Anwender gerecht wird – von EVU über Infrastrukturbetreiber bis hin zu Herstellern und Softwareanbietern.
Um einen nachhaltigen Mehrwert für die Branche sicherzustellen, wird die Einführung über zwei parallel verfolgte Ansätze umgesetzt:
- Für Straßenbahnen ist in enger Abstimmung mit dem VDV eine Aktualisierung der VDV-Schrift 456 vorgesehen.
- Für die Eisenbahnen wird IDX4rail in Form einer Ergänzung bzw. Erweiterung von railML 3.4 bereitgestellt.
So schafft IDX4rail ein harmonisiertes Fundament, das bestehende Standards nicht ersetzt, sondern sie miteinander verzahnt und weiterentwickelt.
Das Ergebnis: ein einheitlicher, durchgängiger Datenaustausch zwischen Systemen, der Datensilos abbaut, Fehlerquellen reduziert und Prozesse effizienter macht.
Langfristig wird zudem die Anbindung an Fahrplandaten angestrebt, um Infrastrukturdaten und betrieblichen Datenfluss stärker miteinander zu verknüpfen.
Mit IDX4rail entsteht damit ein Standard, der den heutigen Herausforderungen begegnet und gleichzeitig den Weg für eine interoperable, digitale und zukunftssichere Bahnbranche ebnet.
Weitere Projektziele
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Zukunftssicherheit: Entwicklung eines robusten Systems zur langfristigen Unterstützung der digitalen Transformation im Bahnbereich.
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Standardisierung: Bereitstellung eines einheitlichen, offenen Datenmodells mit konkreten Anwendungsfällen für zentrale Infrastrukturobjekte.
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Lebenszyklusorientierung: Ermöglichung konsistenter Datennutzung über alle Lebenszyklusphasen – von Planung über Bau und Betrieb bis Rückbau.
- Stakeholder-Akzeptanz: Hohe Nutzerakzeptanz durch frühzeitige Einbindung und kooperative Entwicklung mit den relevanten Akteuren des Sektors.
Vorteile
Als standardisiertes Datenmodell bietet IDX4rail seinen Anwendern viele Vorteile. Die wichtigsten Vorteile finden Sie hier im Überblick:
Roadmap
Seit der Veröffentlichung der Beta 1 am 17. Juni, die beim letzten Praxistag am 4. Juni in Köln vorgestellt wurde, gab es aus der Community einige Rückmeldungen mit Feedback. Zum Themenbereich Gleise und Schienen (Track Bed) wurde das Feedback der Bahnen in zwei vertiefenden Workshops gesammelt und diskutiert. Die Ergebnisse des ersten Workshops wurden zunächst in der Alpha 4 als Vorschau auf die Beta 2 umgesetzt. Beim zweiten Workshop wurde die Alpha 4 einem Review durch die Bahnen unterzogen und die Diskussion fortgesetzt. Die daraus resultierende Beta 2 wurde am 12.11.2025 beim 3. IDX4rail-Praxistag bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) vorgestellt und steht in Kürze zum Herunterladen zur Verfügung. In der Beta 2 sind die Anwendungsfälle bzw. Use Cases Ordnungsrahmen, Stammdaten, Trassierung, Zustandsdaten und Netzbeschreibung modelliert.
Bis Frühjahr 2026 werden noch die beiden Anwendungsfälle Instandhaltungsdaten und Schematischer Gleisplan modelliert und der Community mit der Beta 3 für Feedback zur Verfügung gestellt. Bis Sommer 2026 wird die Modellierung für den Release der IDX4rail 1.0 finalisiert. Gleichzeitig wird beim VDV das Umfrageverfahren zur Aktualisierung der VDV-Schrift 456 in den entsprechenden Ausschuss eingebracht, um IDX4rail eine entsprechende Tragweite in der Branche zu geben. Die Vorbereitungen dafür beginnen noch in 2025 - die Veröffentlichung der aktualisierten VDV-Schrift wird im Frühjahr 2027 erwartet.
Bevorstehende Veranstaltungen
Die nächste Steuerkreissitzung ist für den 24.02.2026 geplant und wird virtuell stattfinden. Wenn Sie an der Sitzung teilnehmen möchten, melden Sie sich gerne bei uns unter info@idx4rail.railml.org.
Im April folgt dann der 4. IDX4rail-Praxistag voraussichtlich in Karlsruhe oder München. Im Fokus wird die Vorschau auf den Release der IDX4rail 1.0 stehen.
Die Abschlussveranstaltung des Projekts wird der 5. IDX4rail-Praxistag im November 2026 in Berlin sein.